1.02 Pfarrkirche MARIÄ HIMMELFAHRT Deggendorf

Die Pfarrkirche gehört - wenn man von den keltischen
Siedlungsspuren absieht - zum ältesten Siedlungskern der Stadt.
Daraus erklärt sich auch ihre ungewöhnliche Randlage. Sie
verblieb außerhalb der in der Mitte des 13. Jahrhundert angelegten
Stadtmauer. Bis zur Säkularisation war die Pfarrei Deggendorf dem
Regensburger Stift Niedermünster inkorporiert und wurde von einem
Probst verwaltet. Sein Amtshaus war die "Probstei" (neben der Kirche
gelegen!).
Baugeschichte:
Der älteste Teil ist der Turm, wenigstens in seinen
unteren Teilen. Er stammt aus der Zeit um 1100 und diente als Fluchtturm
und zu Verteidigungszwecken (massive Gestalt!).
Neben dem Turm folgten Kirchenbauten im romanischen
und gotischen Stil. Feuersbrünste und das Anwachsen der Stadt zwangen
die Deggendorfer zu Neu- bzw. Erweiterungsbauten. Von der romanischen
Kirche hat sich ein Bogenfeld (Tympanon) erhalten. Es zeigt die Flucht
der Hl. Familie nach Ägypten und wird in der Wasserkapelle aufbewahrt.
Im Chorraum ist die Himmelfahrtskirche heute noch gotisch.
Nach dem 30-jährigen Krieg 1656/57 wurde die Kirche
in der bestehenden Form ausgebaut von dem Münchner Baumeister Constantin
Bader. Das romanische Langhaus wurde abgerissen, das Tympanonrelief
geborgen. Es gilt als ältestes Kunstdenkmal der Stadt.
Im österreichischen Erbfolgekrieg erlitt die Kirche
große Beschädigungen. Bei schweren Kämpfen im Jahre
1743 um die französischen Schanzen (siehe Schanzenweg!) auf dem
Geiersberg brach im Turm Feuer aus, das auf das Langhaus übergriff
und dessen Decke zum großen Teil zerstörte.
Die dreischiffige Pfeilerbasilika ist eine Barockkirche.
Bemerkenswert im Chorraum sind die gewölbten Kapellen, über
denen sich Emporen hinziehen.
Das Langhaus umfasst sechs Joche. Die Seitenschiffe
besitzen Rundbogenfenster, darüber querliegende Ovalfenster.
Sehenswert:
Hochaltar
Er stammt aus Eichstätt und ist aus edelstem roten
Salzburger Marmor. Der Eichstätter Hofbildhauer Matthias Seybold
hat ihn geschaffen. Zwischen den vorderen Säulen auf vorspringenden
Konsolen stehen die Figuren St. Wunibald und Richard. Innen, neben den
gewundenen Säulen St. Willibald und Walburga. Diese sind in Eichstätt
beigesetzt und werden dort verehrt. Darüber auf einem Sockel die
Sitzfigur der Muttergottes mit dem Jesuskind aus weißem Carraramarmor.

Kanzel,
eine Rokokokanzel um 1760 von Chr. März. Schnitzfiguren
der Evangelisten und des Hl. Johannes von Nepomuk nebst Allegorien der
christlichen Tugenden.

Orgelprospekt,
gefällige Anlage, deren Wangen wie Harfen geformt
sind, geschnitzte geraffte Vorhänge
Die Kirche Mariä Himmelfahrt war die Urpfarrei
unserer Umgebung. Sie erstreckte sich über das Graflinger Tal,
über das Maxhofener Tal (Mietraching) bis zur Rusel und war östlich
begrenzt von der Passauer Diözese, bis fast zum Wallfahrtsort Halbmeile.
Weitere Barockkirchen in unserer Heimat:
Spitalkirche St. Katharina in Deggendorf - Stiftskirchen
in Metten und Niederalteich - die ehemalige Prämonstratenserklosterkirche
in Osterhofen-Altenmarkt u.v.a.
Literatur:
Georg Dehia: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler
1988
Bayern II. Niederbayern, Deutscher Kunstverlag
Erich Kandler: Deggendorf - Stadt zwischen Gäu
und Wald
Morsak Verlag 1976