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1.09 Die Geiersbergkirche

1. Die Lage

Eine der idyllischsten Wallfahrten im Deggendorfer Raum ist die Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Mutter Gottes auf dem Geiersberg. Am Wege einer uralten Straße, die einst von der Donau nach Böhmen führte, steht diese Stätte des Gebetes und der Besinnung. Der Pilgerpfad dorthin beginnt hinter dem Ostchor der Stadtpfarrkirche Mariä-Himmelfahrt und führt am Kreuzweg vorbei den Geiersberg hinauf.

Der eigentliche Vorplatz der Kirche wird von der alten Friedhofmauer umschlossen. Im Südosten erkennt man den "Sieben-Wunden-Brunnen". Der Turm der Kirche steht an der Nordseite. Er ist 51,50 m hoch und trägt ein vergoldetes Kreuz. An der Südwestseite betritt man durch ein Portal mit gotischer Gewändung das Innere der Kirche.

2. Kurze Geschichte der Wallfahrtskirche und der Wallfahrt

Fast fünfhundert Jahre steht die derzeitige Kirche zu unseren lieben Frau auf dem Geiersberg; sie ist eine spätgotische Hallenkirche und wurde 1486 eingeweiht. Allerdings kam schon wenige Jahrzehnte nach dem Neubau auch über unsere Heimat die unselige Glaubensspaltung. Die Wallfahrt auf dem Geiersberg litt darunter sehr. Im Jahre 1628 aber holte der Mesner Michael Heiß das in Vergessenheit geratene Gnadenbild aus einem Winkel hervor und stellte es auf den Altar. Die Menschen müssen oftmals erhört worden sein, denn die Kirche füllte sich mit Dankesgaben. Die einfachen Pilger brachten Arme, Beine, Herzen und viele andere Votive aus Wachs. Von den reicheren Leuten wurden Bildstock, Altäre und Wände mit Motiven aus Gold und Silber behangen.

3. Das Bauwerk

Die gotische Marienkirche hat eine Länge von 24,50 m, eine Breite von 13,50 m und die Gewölbehöhe beträgt 12,80 m. Aus dem Grundriss erkennt man einen einschiffigen Raum mit sechs Jochen und Schluss aus fünf Seiten des Zwölfecks. Der Chor ist nicht ausgeschieden. Rechteckige, im Schluss im stumpfen Winkel eingeeckte Wandpfeiler und spitzbogige Schildbögen tragen das durchgehend netzförmig figurierte Rippengewölbe. Die zweigeteilten Fenster sind spitzbogig mit neugotischem Maßwerk ebenso die Portale an der West- und Südseite. Im Untergeschoss befindet sich die Sakristei, zu der vom Chor eine Spitzbogentüre führt.

4. Das Kircheninnere

4.1 Der Hochaltar

Der Flügelaltar der Wallfahrtskirche wurde 1882 aufgestellt. Der große Schrein von 10 m Höhe und 5 m Breite ist ein Werk des Deggendorfer Kunstschreiners Ignaz Kiefl, die Reliefs fertigte der Münchner Bildhauer Christian Keil.

Über der Leuchterbank des Altars ist inmitten der Predella zwischen den Reliefbildern die Flucht nach Ägypten und die Grablegung Christi das eigentliche Gnadenbild eingefügt, die schmerzhafte Mutter Gottes mit dem hl. Leichnam Jesu auf dem Schoße als Mittelstück einer goldenen Rose im spätmittelalterlichen Geschmack. Das Hauptbild des eigentlichen Altarschreines zeigt die Kreuzabnahme, der linke Flügel führt den Verlust Jesu im Tempel und die Prophezeiung Simeons vor, der rechte die Kreuztragung und die Kreuzigung, so dass alle sieben Schmerzen Mariens zur Darstellung gelangen. Bei geschlossenen Flügeln gewahrt man in guten Ölbildern Christi und Maria Himmelfahrt, das Pfingstfest und Mariä Krönung im Himmel; als Seitenstatuen (durch die geöffneten Flügel verdeckt) flankieren den Altar der Hl. Joachim und die Hl. Anna.

 

4.2 Die Votivtafeln

Solche Menschen, die auf die Hilfe der schmerzhaften Gottesmutter ihr Vertrauen setzten und erhört wurden, brachten viele Gaben an den Ort ihrer Zuflucht. Während die goldenen Rosenkränze und Herzen, sowie die Silbergaben von Zeit zu Zeit konfisziert wurden, blieben die Votivtafeln im wesentlichen erhalten.

Die Votivbilder vom Geiersberg umfassen den etwa 500-jährigen Zeitraum von 1483 bis zur Gegenwart. Schon die erste Votivtafel des U. Ellinger aus Neumarkt wurde zum Dank für die Hilfe bei einem Reiseunfall hergebracht. Sie stammt aus dem Jahr 1483, wurde aber 1629 übermalt.

Eine weitere Votivtafel in der Kirche am Geiersberg berichtet, dass 1816 die Brücke durch einen Eisstoß großenteils zerstört worden ist.

Die Deggendorfer Bürger tragen der Gottesmutter auf dem Geiersberg das ganze Jahr über und besonders zur Zeit des "Frauendreißiger", eine Gebetsoktave vom 15. August bis 15. September, hoffnungs- und vertrauensvoll alle Sorgen und Nöte den Berg hinauf und sie erfreut sich am Vertrauen ihrer schutzbefohlenen Deggendorfer.

 

Verwendete Literatur:

Stadt Deggendorf, Deggendorf, Stadt zwischen Gäu und Wald, Grafenau 1976

Dekan Josef Pommer, Wallfahrtsbüchlein, Deggendorf 1986

H. Aichner, Heimat- und Sachkunde, Seebach