Deggendorf

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1.20 Wallfahrt zur schmerzhaften Gottesmutter in Halbmeile

Zur Entstehung der Wallfahrt erzählt man sich mehrere Versionen:

1672 ließ der Prokurator Joh. Gotthard Wigant etwa eine halbe Meile von Deggendorf in Richtung Schwarzach in Erfüllung eines Gelübdes einen Bildstock mauern und ein Bild der schmerzhaften Mutter einsetzen. Nach Pfarrer Pierling (1726-1781) hat folgende Begebenheit zum Aufblühen der Wallfahrt erheblich beigetragen:

Am 29.04.1690 kam der Kürassier Philipp Klein vom Bader in Deggendorf geritten, übel gelaunt, weil die Behandlung gegen seine Syphilis nicht anschlug. Im Vorbeireiten hieb er fluchend auf den Bildstock ein, gab auf das Gnadenbild einen Schuss aus seiner Pistole ab und sprengte davon. Nicht weit. Sein Pferd warf ihn ab und richtete ihn schrecklich zu. Er verstarb zwei Tage nachdem ihn Bauern nach Deggendorf gebracht hatten unbußfertig im Spital.

Gott und der Allerheiligsten Himmels Königin Maria Mutter Gottes zu sondern Lob und Ehr, hat der Churf. Gerichtsschreiber zu Hengersberg Georg Breü, dies Täflein in Bedenckhung, als er im Früeling Ad 1637 auf Straubing geritten, oberhalb Seebach, Ihme ein Khefer oder große Roßflügen in das Linckhe Ohr flügent gekomen und solchen Schmertzen gemacht, das er durch das graben und Zapln, so die Flügel im Ohr verbracht, anderst nit Vermoint, alß ob sein Lözte Stund Vorhanden wär, von Roß absitzen vor Wehetumb auf die Erden begebe Müssen und welchen Ihme Unser Liebe Frau in der Capeln Nidernaltach eingefallen, die er Inniglich angeruffen, als dan ohne Zweifel aus Hundert Eingebunge Gottes einen grünen Stingel ausgeraufft, und also ligend ins Ohr gehalten hat sich Selbiger Widerumb Heraus begeben, gestalten gegenwertige Figur mit mehrern Zaigen und außweisen thut, da er Selbe machen, mahlen und hiehero in die heilige Capeln geben Lassen.

Heute begrüßt uns unweit der Isarmündung am Fuß der Waldberge ein freundliches Kirchlein, angelehnt an das ehemalige Redemptoristenkloster Halbmeile.

Pfarrer Pierling ließ 1732 über dem Bildstock eine Holzkapelle für ca. 70 Personen errichten. In den Jahren 1732 - 1737 sollen 382520 Pilger zur Schmerzensmutter gewallfahrtet sein und entsprechend hohe Votivgaben sind eingegangen. Das Kloster Niederalteich meldete Besitzansprüche an, stand die Kapelle doch auf ihrem Grund.

1781 - 1785 wurde nach Plänen von Andreas Weiß, Deggendorf ein Spätrokoko Kirchlein errichtet, von Mathias Obermayr aus Straubing stuckiert, vom Münchner Hofmaler Christian Wink freskiert.

Die aus Loh/Stephansposching (Chr. Wink) und Metten (Obermayr) bekannten Künstler schufen auch hier einen einheitlichen, fröhlichen Raum mit guter Ausstattung. Die Fresken zeigen im Chor Christi Himmelfahrt, im Langhaus den Frevel und das schwebende Gnadenbild über Gläubigen. Zwischen Chor und Langhaus umschließt der Gnadenaltar von Obermayr den gemauerten Bildstock.

 

Literatur: Dehio, Bd. II 1988

Klämpfl, Geschichte der Pfarrei Seebach