4.02 Die alte Pfarrkirche St. Peter und Paul und Bartholomäus in Schwarzach
Aus der Geschichte:

Der Gutsbezirk in Schwarzach gehört
zur Gründungsausstattung des Klosters Niederalteich. Herzog Odilo
schenkte um 731 den Gutshof mit etwa 20 ha Ackerland, Zinspflichtigen
und Leibeigenen an das Kloster. Schwarzach ist die einzige Dotation
auf dem nördlichen Donauufer in Klosternähe. Schwarzach war
die Urpfarrei des Klosters, zu dessen Sprengel ein großes Gebiet
auf dem rechten Donauufer gehörte. Die Kirchen in Thundorf, Aicha
und Niedermünchsdorf gehörten zur Pfarrei Schwarzach.
Erst relativ spät wird in einem Schutzbrief,
den Papst Eugen III. 1148 ausstellte, eine Kirche in Schwarzach erwähnt.
1261 trennte Abt Hermann (1242-1273) den Bereich rechts der Donau von
der Mutterpfarrei. Am 1. August 1304 wurde durch Bischof Bernhard von
Passau (1285-1313) die Pfarrei Schwarzach dem Kloster Niederalteich
inkorporiert (rechtliche Einverleibung). Pfarrer von Schwarzach war
nun der jeweilige Abt, der sich von Pfarrvikaren aus seinem Kloster
vertreten ließ. Die Pfarrei Schwarzach wurde immer mit bedeutenden
Mönchen aus dem Kloster besetzt.
Von 1522 - 1532 wurde die heutige Kirche
unter Abt Kilian Weybeck (1503-1534) im spätgotischen Stil erbaut.
Im frühen 17. Jahrhundert kam in die Kirche ein neuer Hochaltar,
der bis 1884 existierte. Im Schrein standen die Holzfiguren der drei
Kirchenpatrone, Petrus, Paulus und Bartholomäus. Später wurde
die Mittelgruppe durch ein Altarbild ersetzt. Die drei Apostelfiguren
schmücken jetzt die Wände des Chores.
1884 - 1886 entstand durch die Gebrüder
Seywald aus Hengersberg eine neugotische Ausstattung, welche aber bei
der Innenrenovierung von 1971 - 1972 ersatzlos entfernt wurde. Den ausgeräumten
Kirchenraum vermochte man mit den geringen Resten des gotischen und
barocken Kunstgutes nicht ausfüllen. Der Versuch, mit der neu gestalteten
Altarzone dem Kirchenraum mehr Geschlossenheit zu verleihen, ist nicht
ganz gelungen.
1806 wurde Schwarzach selbständige
Pfarrei.
1921 Gründung des Dekanates Hengersberg.
1956 Verlegung des Pfarrsitzes nach Hengersberg.
Der spätgotische Bau ist mit Bruchsteinen gemauert. Am leicht
eingezogenen Chor dreifach abgesetzte Strebepfeiler. Hoch über
dem Kirchenportal ein in Stein gemeißelter Männerkopf, am
seitlich angebrachten Schild fehlt das Wappen. Der Volksmund glaubt
in diesem Schädel das Porträt des Kirchenbaumeisters zu erkennen.
Die unteren Geschosse des Turmes sind mittelalterlich,
der verputzte Teil stammt mit dem Zeltdach aus dem 19. Jahrhundert.
Am prächtigen, spitzbogigen Portal ist das Gewände
gekehlt und seitlich mit einem Rundstab geschmückt. Über dem
Bogenscheitel befindet sich neben der Jahreszahl 1532 das Steinmetzzeichen.
Die südlich an den Chor angebaute Sakristei wurde
gleichzeitig mit der Kirche gebaut und besitzt ein schönes Netzgewölbe
mit bimstabförmigen Rippen.

Der zweijochige Chor trägt ein Netzgewölbe
mit doppeltgekehlten Rippen in Rautensternfiguration. Am Schlussstein
findet sich der Niederalteicher Dreiberg. Das ursprünglich nicht
auf Wölbung angelegte Kirchenschiff hat heute ein flaches Tonnengewölbe
mit Stichkappen und barockisierendem Rahmenstuck von 1922. Das gleichzeitige
Deckengemälde wurde 1970 übertüncht.
Der Chor wird beherrscht von dem mächtigen Kreuz
aus Kalkstein, welches der Bildhauer Leopold Hafner 1972 geschaffen
hat. Der eindrucksvolle Kruzifixus stammt aus einem Bauernhaus in Altenufer
und trägt am Lendentuch die Jahreszahl 1712. Am Fuß des Chorkreuzes
steht die Holzfigur des hl. Petrus aus der Zeit um 1400 mit den typischen
Merkmalen des Weichen Stils.
Das Sakramentshäuschen an der Nordseite des Chores
stammt von der ursprünglichen Ausstattung und ist eine Rarität.
Der Aufsatz mit dem von Rollwerk gerahmten Relief der Gottesmutter und
dem darüberstehenden Salvator mundi ist erst um 1600 entstanden.
Neben dem Sakramentshäuschen steht der ebenfalls
spätgotische Taufstein in Form eines Sechzehnecks, der Deckel,
spätbarock um 1730.
Beachtenswert ist das prächtige spätgotische
Portal zur Sakristei. An der nördlichen Chorwand befinden sich
die Holzfiguren der Apostel Bartholomäus, ein großes Messer
haltend und des hl. Petrus mit goldenem Schlüssel. Gegenüber
der Völkerapostel Paulus mit Schwert sowie ein weiterer Apostel,
regelwidrig mit Stiefeln dargestellt. Die drei ersteren Apostelstatuen
befanden sich einst in der Retabel des Hochaltares aus dem frühen
17. Jahrhundert.
Links am Chorbogen die Holzskulpturen des hl. Gotthard
und des Diözesanpatrons St. Valentin, sie stammen von der neugotischen
Ausstattung durch die Gebrüder Seywald aus den Jahren 1884 -1886.
Rechts vom Chorbogen Maria auf der Säule, moderne Kopie einer spätgotischen
Figur. Seitlich davon befinden sich die feinen Rokokobüsten des
hl. Dominikus, des hl. Franz von Assisi, des hl. Thomas von Aquin und
des hl. Albertus Magnus.
Würdigung:

Die spätgotische Kirche von Schwarzach ist ein
Bauwerk aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts, die Epoche der
Gotik neigte sich dem Ende zu. Wenn man den geringen Bestand der erhalten
gebliebenen spätgotischen Ausstattung betrachtet, kann daraus geschlossen
werden, dass das Verlorengegangene von beachtlicher Qualität gewesen
sein muss. Das malerisch an der Ohe gelegene Gotteshaus ist ein gutes
Beispiel spätgotischer Sakralarchitektur, die heutige Ausstattung
mit Kunstwerken verschiedener Stilepochen erscheint als in den gotischen
Kirchenraum harmonisch eingebunden.