6.01 Wallfahrtskirche Handlab bei Iggensbach
Geographische Lage und Baubeschreibung

Handlab, ein kleiner Wallfahrtsort südöstlich
von Iggensbach auf einem Bergvorsprung gelegen, bietet eine schöne
Fernsicht über die Vorberge des Bayerischen Waldes.
Die Kapelle ist ein kleiner Bau mit 2 Jochen und Polygonschluss.
Die Decke besteht aus einem Tonnengewölbe. Das Äußere
ist durch Lisenen gegliedert. Über dem Westgiebel erhebt sich ein
Dachreiter mit Kuppelheim. Um den ganzen Bau läuft ein gedeckter
Umgang, der von Holzpfosten getragen wird.
Entstehung der Wallfahrt

Die dialektische Aussprache "Handlouh" begründet
sich auf den alten Ortsnamen Handlohe, der im 16. Jahrhundert verbrieft
ist und bis ins 18. Jahrhundert zu finden ist. Bis zur Erbauung der
Kapelle
1644 befand sich in Handlab (Handlohe) nur ein Bauernhof
über die Entstehung des Wallfahrtsortes berichtet eine Volkserzählung:
Vor Erbauung der Kirche verehrte das Volk ein Muttergottesbild,
das in eine hohle Eiche eingefügt war. Als die Eiche zu verdorren
begann, brachte man das Muttergottesbild in die Kirche nach Iggensbach.
Nachts aber wurde sie von Engeln zurückgeholt. Das wiederholte
sich noch zweimal, woraufhin man das Bild in Handlab beließ.
Wie es zur Entstehung des jetzigen Namens Handlab kam,
berichtet die Sage:
Nachdem das Wunder vom Muttergottesbild sich verbreitet
hatte, fanden sich immer mehr Gläubige ein. Unter ihnen befand
sich die fromme Anna, die Gattin des Burgherrn von Dobl. Sie fand sich
jeden Tag zu Gebet ein; ihr gottloser Gatte vermutete jedoch Schlimmes.
Er beobachtete sie heimlich, und während sich Anna zum Gebet niederließ,
kniete neben ihr ein Bettler. Der Gatte sah seinen Verdacht bestätigt
und hackte ihr trotz ihrer Unschuldsbeteuerungen die Hand ab. Anna vertraute
auf die Fürbitte Mariens, hielt die abgehackte Hand an ihren Arm
und rief: "Maria, Handl ab!" Und sofort war ihre Hand wieder
angeheilt.
Über der Kirchentür außen findet man
eine Abbildung, die diese Entstehungsgeschichte der Wallfahrt darstellt
(um 1750; Öl auf Holz). Das Geschehen wird auf dem Bild auf 1513
datiert, andere Quellen gehen bis ins 14. Jahrhundert.
Beschreibung des Kircheninneren

Im Inneren der Wallfahrtskirche "Maria Krönung"
befindet sich ein Altar mit barockem Aufbau und gedrehten Säulen.
Das Altarbild zeigt eine allegorische Darstellung der Himmelfahrt Mariens.
Über dem Tabernakel befindet sich eine Büste der hl. Korona,
einer Arbeit um 1480. Die Krone kam im 18. Jahrhundert dazu. Im Aufzug
wird das Martyrium der hl. Korona dargestellt; eine Kopie des späten
17. Jahrhunderts nach dem Bilde in Korona bei Passau.
An Figuren befinden sich in der Kirche eine Vespergruppe
und eine Gruppe der Krönung Mariens um 1650, außerdem St.
Sebastian und Florian, Barock um 1710. Von Bedeutung sind auch Tragstangen
mit Leuchterengelchen, spätgotisch um 1500.
Zeugnis des großen Vertrauens zur Muttergottes
in Handlab sind viele Votivtafeln, die an den Wänden der Kirche
angebracht sind. Die älteste Votivtafel stammt aus dem Jahre 1686,
die meisten aus dem 18.119. Jahrhundert. Die Tafeln sind im ganzen Kirchenraum
in harmonischer Ordnung verteilt. Eine Votivtafel von 1947 berichtet
über das "Wunder von Handlab", wonach eine gelähmte
Frau wieder geheilt wurde.
Heutige Bedeutung des Wallfahrtsortes
Die Bedeutung des Wallfahrtsortes wird vor allem am
"Handlaber Frauentag" an Mariä Himmelfahrt (15. August)
augenscheinlich. Zu einem im Freien abgehaltenen Gottesdienst kommen
bis zu 15 000 Gläubige. Dass Kirche und Gasthaus in Bayern oftmals
untrennbar zusammengehören, wird durch das volksfestartige Geschehen
mit Bierzelt und Verkaufsständen deutlich.
Ebenso bedeutet Mariä Geburt (8. September) ein
besonderes Fest für Handlab.
Die Wallfahrtskirche wird durch Drittordensschwestern,
die in unmittelbarer Nachbarschaft ein Erholungsheim (früher Müttergenesungsheim)
betreiben, betreut.