Iggensbach

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Braunkohlenwerk Schwanenkirchen

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6.02 Das Braunkohlenbergwerk Schwanenkirchen
        der Niederbayerischen Montangesellschaft

Geographische Lage

An der (für den Personenverkehr stillgelegten) Nebenbahn Deggendorf- Kalteneck und an der Staatsstraße Hengersberg - Iggensbach gelegen, findet man das Dorf Schwanenkirchen. Die aus Backstein erbaute Kirche ist mit ihrem hohen Kirchturm weithin sichtbar.

Kurzer historischer Rückblick

Die Besiedlung der Gegend erfolgte im 8. Jahrhundert. Die im Vergleich zu den kargen Böden des Bayerischen Waldes fruchtbaren Flächen machten Schwanenkirchen zum Mittelpunkt des sog. Schweinachgaues. Bis ins 17. Jahrhundert war Schwanenkirchen die Urpfarrei für die Gebiete in Richtung Brotjacklriegel mit den heutigen Pfarreien Iggensbach, Grattersdorf, Schöllnach, Riggerding, Zenting und Ranfels. Die frühe Bedeutung des Ortes wird auch deutlich durch das Bestehen einer Schule bereits um 1875 sowie des Baues eines Klosters der Englischen Fräulein im Jahre 1887.

Geologische Verhältnisse

Eine - freilich nur kurze Zeit währende - größere wirtschaftliche Bedeutung gewann der Ort durch das Vorkommen und die Förderung von Braunkohle.

In der Tertiärbucht von Hengersberg - Schwanenkirchen erstrecken sich Braunkohlenflöze auf einer Länge von 6 - 8 km. Sie liegen in Mulden (z.B. Heiming und Lapferding), die durch Gneis und Granit voneinander getrennt sind.

Über den Kohleflözen mit einer Mächtigkeit von 2 - 6 m liegen Tone und Sande mit einer Stärke von 30 - 60 m. Unter dem Kohlevorkommen befindet sich Gneis. Das geologische Profil verdeutlicht die Lage der Braunkohleflöze.

Durch Bohrungen und bergmännische Untersuchungen ist bekannt, dass die Vorräte 15 Mio. t betragen, wovon die in der Lapferdinger Mulde lagernden Kohlenvorräte mit 5 Mio. t als Abbau-würdig galten.

Beginn der Kohlenförderung

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde man, etwa durch Baumaßnahmen in Hengersberg, auf das Vorhandensein von Braunkohle aufmerksam. Im Jahr 1895 wurden die ersten Abbaurechte durch das Königliche Bezirksbergamt in München vergeben. Im Gebiet um Schwanenkirchen erwarb der Augsburger Fabrikant Silbermann ein etwa 800 ha großes Gebiet mit dem Namen Marienzeche. Um die große Arbeitslosigkeit und die Brennstoffknappheit zu lindern, ging man nach dem 1.Weltkrieg ernsthaft daran, die Bodenschätze abzubauen. Die Stadt Deggendorf hatte die Abbaurechte übernommen. Mit 42 Arbeitskräften, davon 16 Mann unter Tage, wurden im Zeitraum vom 10.- 20.09.1921 insgesamt 61 Tonnen gefördert. Das städtische Unternehmen wurde schließlich

1923 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt mit der Bezeichnung "Niederbayerische Aktiengesellschaft". Beim Weiler Hub wurde 1924 ein neuer Schacht niedergebracht. Außerdem errichtete man eine Seilbahn zum Bahnhof Schwanenkirchen. Die Eisenbahnlinie war übrigens einen Tag vor Ausbruch des Weltkrieges 1914 eröffnet worden. Die gewaltigen Investitionen rentierten sich jedoch wegen der geringen Nachfrage (fehlende Industrie) nicht.

Als 1928 die Firma Hebecker das Bergwerk übernahm, änderte sich die Situation nicht grundlegend; bis 1935 verzeichnete man eine Tagesförderung von 40 - 60 Tonnen. 1935 zerstörte ein Wirbelsturm die Seilbahnanlage total. Gründe für den Niedergang waren:

  1. Konkurrenz der Ruhr-Steinkohle
  2. Geringe technische Ausrüstung
  3. Ungenügende finanzielle Mittel
  4. Mangelnder Absatz im Nahbereich

Ein Augenzeuge berichtet über die gemeisterten Schwierigkeiten

Xaver Blechinger, geb. 24.06.1902, Trupolding 2, erzählt:

"Der Transport der Dampfmaschine vom Bahnhof Schwanenkirchen nach Hub war sehr beschwerlich. Man hatte zwar alles abmontiert, was zu beschwerlich war; darunter die Schwungräder mit 2,40 m Durchmesser. Mit einem Kran wurde der Kessel dann auf einen Wagen gehoben, der schon leer 5 t wog. Doch die 14 vorgespannten Pferde versagten bereits in der Bahnhofstraße von Schwanenkirchen (bei der heutigen Raiffeisenbank); mit angesetzten Winden schob man den Wagen zentimeterweise auf die Staatsstraße, wo man die Pferde wieder vorspannen konnte.

Bei der Steigung vor Lapferding musste man sich zum zweiten Male mit den Winden behelfen. Als man endlich die Anhöhe geschafft hatte, wollte man die 14 Pferde wieder vorspannen, doch der Wagen war seiner großen Last wegen nicht zu lenken. Den weiteren Transport bis nach Hub bewältigte man nun mit Seilwinden, die man am Straßenrand verankerte. So wurde der Wagen Stück für Stück zu seinem Bestimmungsort gekurbelt.

Die Dampfmaschine leistete 320 PS und diente zur Stromerzeugung beim Hub-Schacht. Mit diesem Strom wurden die Wasserpumpen im Bergwerk betrieben, die beiden Füllörter beleuchtet und unter Tage Schräm- und Bohrmaschinen angetrieben. Vor Ort arbeiteten die Bergleute mit Karbidlampen; Schutzhelme wurden damals noch nicht getragen.

Die bis 5 m mächtige Braunkohlenschicht durfte nicht ganz abgebaut werden; ein Teil des Flözes musste als Deckschicht stehen bleiben. Manchmal jedoch entfernten verwegene Bergleute die Kohle restlos. Dann stürzte bald darauf unter ohrenbetäubendem Getöse die darüberliegende Decke ein. Das Flöz war auch mit querliegenden Tonschichten durchzogen, die man vor dem Sprengen mit Pickeln oder einer Schrämmaschine herausschrämte. Hätte man den durch den Druck sehr harten Ton nicht zuerst entfernt, wären die Sprengungen entweder wirkungslos geblieben oder man hätte so starke Sprengladungen anbringen müssen, dass es zu unkontrollierten Einstürzen gekommen wäre."

Neuaufbau des Bergwerks 1945

Infolge der großen wirtschaftlichen Not und des Mangels an Energie waren die Schwanenkirchener Kohlenlager nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches plötzlich wieder interessant geworden. Mitte 1945 schon gründete die aus Schlesien stammende Henkel von Donnersmarck‘sche Bergverwaltung zusammen mit dem Deggendorfer Reeder Wallner die Niederbayerische Montangesellschaft mbH mit dem Ziel, den Grubenbetrieb und die Förderung wieder aufzunehmen. Vom alten Betrieb aber war außer dem abgesoffenen und z.T. verfüllten Hubschacht nichts mehr vorhanden. Die erfahrenen Bergleute des Grafen Henkel von Donnersmarck errichteten die Förderanlage neu. Außerdem wurde eine Seilbahn vom Hubschacht zum Bahnhof Schwanenkirchen erbaut sowie ein Grubenbahnhof. Durch eine Brecher- und Siebanlage konnte die Kohle in verschiedenen Kornklassen angeboten werden.

Erweiterung des Bergwerkes

Bereits im Jahre 1947 wurde ein neuer Schacht, der sog. "Neuschacht", am Bahnhof Schwanenkirchen abgeteuft und eine Verbindungsstrecke zum 1,5 km entfernten Hubschacht hergestellt. Die Währungsreform mit einer starken Verknappung der Geldmittel beendete die ehrgeizigen Ausbaupläne. Die Währungsreform brachte 1949 auch ein Überangebot von Kohle auf den Markt, so dass die Förderung für einige Zeit stark eingeschränkt werden musste. Um dem Betrieb eine dauerhafte Existenz zu sichern, beschloss der bayerische Landtag sogar ein "Feuerungs-Umstellungs-Programm" und stellte hierfür Kredite zur Verfügung.

Zur Absatzförderung beteiligte sich das Bergwerk mit einem Festwagen beim Hengersberger Volksfest im Jahre 1951.

Der Koreakrieg 1952 brachte erneut einen Nachfrage-Boom nach heimischer Energie, so dass erneut ein Investitionsprogramm aufgestellt wurde. Beim Neuschacht wurde ein 22 m hoher hölzerner Förderturm mit gewaltigen Masten von 90 cm Durchmesser aufgestellt, der einige Jahre zum Wahrzeichen von Schwanenkirchen werden sollte. Im Untertagebau wurde in 3 Schichten gearbeitet. Geplant wurde z.B. auch eine Teilmechanisierung und der Einsatz von Förderbändern, um die Abbauleistung auf 1000 t zu steigern. Auch wurden bereits konkrete Pläne erarbeitet, von Schwanenkirchen zum 5 km entfernten Winzer eine Seilbahn zu errichten und dort einen Verladehafen zu bauen. In dieser Zeit waren beim Bergwerk an die 300 Personen beschäftigt.

Schließung des Bergwerkes

Die gute Absatzlage, ausgelöst durch den Koreakrieg, war bald wieder beendet. Auch enthielt die Kohle zu viele Tone, so dass die Kohle die erforderlichen Heizwerte nicht erreichte. In den Jahren 1954 bis 1957 wurde noch einmal versucht, den Absatz zu erhöhen, aber die in Niederbayern fast völlig fehlende Industrie und damit ein nahegelegenes Absatzgebiet sowie die auf dem Markt reichlich angebotene und qualitätsmäßig weit bessere Steinkohle führten dazu, das Bergwerk 1958 stillzulegen und 1959 aufzulassen. Hub- und Neuschacht wurden zugeschüttet und die Anlagen abgebrochen.

 

Literatur:

  • Unterlagen bei der Schulchronik der VS Iggensbach-Schwanenkirchen
  • Der Landkreis Deggendorf, ein Heimatbuch 1969
  • Rudi Habereder: Das Braunkohlenbergwerk Schwanenkirchen in:
    Deggendorfer Geschichtsblätter 1/1981