6.03 Die Burg in Winzer

An der Ortseinfahrt von Winzer erhob sich einst auf
einem mächtigen, steil zur Donau hin abfallenden Berghügel
eine stattliche Ritterburg. Nur noch wenige Überreste längst
vergangener Herrlichkeit krönen heute den Gipfel des Berges und
lassen kaum mehr ahnen, dass hier viele Jahrhunderte lang mächtige
Rittergeschlechter in Ansehen und Reichtum walteten.
Die Burg Winzer nach einer Beschreibung aus dem
Jahr 1603
Innerhalb der Ringmauer, die die eigentlichen Burggebäude
einschloss, stand in der Mitte ein mächtiger Turm, der Bergfried,
südlich davon deutet heute noch eine Grube auf den Ort des Brunnens.
Das noch erhaltene Mauerwerk gegen Norden gehörte zum Pallas (eigentliches
Rittergebäude mit Rittersaal), seine Fortsetzung nach Osten bildete
die Schlosskapelle. Außer diesen wichtigsten Teilen gab es noch
eine Menge anderer schlossartiger Gebäude, darunter auch einen
Uhrturm auf der Südseite. Es fanden sich auf der Burg schön
gezierte Zimmer, Säle, Küche und Keller, allerlei gut gebaute
Gewölbe, lang gewölbte Stallung, Bräuhaus, Zehentstadel,
Getreidekasten, Schmiede, Badestube, Springbrunnen, zwei schöne
Höfe, all das umgeben mit einer Ringmauer, einem Zwinger (Vorhof)
und zwei breiten Gräben.

Die Burg Winzer war eine der prächtigsten Burgen
Deutschlands
Die Räume der Burg ließ Graf Ott Heinrich
von Schwarzenberg prächtig ausschmücken. Ein großer,
viereckiger Rittersaal war im Inneren. Schöne Malereien, die Bilder
aus dem Kriegsleben zeigten, schmückten die Wände. Den Fußboden
bedeckten schöne, türkische Teppiche. In feierlichen Nächten
leuchteten glänzende Lüster den Rittern. An einer Wand war
das Wappen der Puchberger angebracht, daneben das Wappen der Schwarzenberger.
Geschirr aus Gold und Silber fehlte nicht. In der Mitte des Saales stand
eine große Vase, die vergoldet war. Um diese wurde stets die Speisetafel
angebracht, jedoch so, dass die Krone der Vase über die Mitte des
Tisches hervorragte. Durch Druck öffnete sich die Vase auf mehr
als 12 Seiten und reichte Wein in vergoldeten Bechern dar.
Mögliche Unterrichtsthemen für 3./4. Klasse:
1. Der Bischof von Bamberg lässt in Winzer
eine Burg bauen
2. Wie lebte Ritter Hartlieb mit seiner Familie
auf der Burg?
3. Ein Fest auf der Burg
Burgen in näherer Umgebung:
Dobl und Hilgartsberg
Europäischer Bezug:
Bei berühmten Turnieren trafen sich Ritter aus
verschiedenen europäischen Ländern (heute: Vergleich mit Europameisterschaften
im Sport).
Die Geschichte der Burg Winzer

Der Herzog von Bayern, zugleich deutscher Kaiser, Heinrich
II. schenkte 1005 das Gebiet um Winzer dem Bistum Bamberg, das zur Sicherung
des Landes ab 1009 die Burg Winzer errichten ließ. Die Bamberger
Bischöfe setzten als Verwalter ihres Besitzes einen sog. Ministerialen
ein. Bis 1300 hatte in Winzer eine einzige Familie dieses Amt inne.
Sie nannten sich nach der Burg die Winzerer.
Von 1300 - 1588 war die Burg im Besitz der Puchberger.
Hartlieb I. war einer der angesehensten und mächtigsten Ritter.
Von 1558 - 1603 herrschte auf der Burg das Geschlecht der Schwarzenberger.
Ott Heinrich von Schwarzenberg war unter allen Herren von Winzer der
mächtigste und reichste Ritter. Unter ihm erreichte die Herrschaft
Winzer die größte Ausdehnung. Er ließ auch die Burg
prächtig ausstatten.
Der österreichische Erbfolgekrieg brachte der
stolzen Burg das Ende. Ungarische Husaren unter der Führung des
Pandurenführers Freiherr von der Trenk sprengten die Burg am 1.
Nov. 1744 in die Luft.
Die Burg gab Schutz und Sicherheit
Die Burg wurde auf einem hohen Berghügel errichtet,
der steil zum Wasser abfiel.. Das bot zwei Vorteile. Der Fluss stellte
eine natürliche Verteidigungslinie dar, und die Höhe des Felsens
sicherte einen unbehinderten Überblick über das ganze Land.
Als der Baumeister die Verteidigungsanlagen der Burg entwarf, vereinte
er mehrere beim Bau anderer Burgen verwirklichte Erkenntnisse. Sein
Plan zeigte ineinandergeschachtelte Verteidigungsringe. Der Burghof
wurde von der inneren Ringmauer eingeschlossen.

Der Raum rund um die Außenseite der inneren Ringmauer,
Zwinger genannt, wurde von einer niedrigeren Mauer begrenzt, der äußeren
Ringmauer.
Ein Burggraben umgab die Mauer. Auf beiden Ringmauern
waren Türme, die der Wache gestatteten, den ganzen Umkreis des
Bauwerks zu beobachten. Das Burgtor führte zu einem befestigten
Weg, der zwischen Burg und Fluss den Felsen hinablief. Die äußere
Ringmauer war 7 m dick, die Mauern der Türme waren ebenso dick,
jedoch höher, um auf allen Seiten einen guten Ausblick zu haben.
Alle Mauern und Türen der Ringmauer waren oben durch Wehrgänge
miteinander verbunden. Die Mauern wurden mit Zinnen versehen, die aus
hohen und niedrigen Teilstücken bestanden. Sie besaßen Schießscharten.
Die Zugbrücke verband die Burg mit dem Kopf einer hohen Steinrampe.
Wer die Burg betreten wollte, musste die Rampe ersteigen und Feinde
waren der Beschießung durch die Bogenschützen auf der Mauer
ausgesetzt. In Kriegsnöten fanden die Untertanen Zuflucht auf der
Burg.
Der Burgherr sorgte für Arbeit
Jenseits des äußeren Burggrabens lagen die
beiden Hofbauern, die mit Bediensteten ein 3 Tagwerk großes Grundstück
bewirtschafteten. Auf den grundbaren Gütern, die bis Schwanenkirchen,
Iggensbach und Schöllnach reichten, arbeiteten hörige Bauern.
Der Burgherr besaß 1 760 Tagwerk Wald.
Zur Burg gehörten 52 Morgen Weingärten. Ihre
Bewirtschaftung besorgten 28 Gütler von Winzer, die sog. Weinzierl.
Im Schlossgarten mit dem 3 Tagwerk großen Obstgarten und dem 4
Tagwerk großen Blumen- und Gemüsegarten arbeitete ein Gärtner.
Im Bräuhaus wurde das Winzerer Weizenbier gebraut. Mit dem Bräuhaus
war ein 3 Tagwerk großer Hopfengarten verbunden. Die Donau zwischen
Hofkirchen und Niederalteich wurde als Fischwasser gegen einen jährlichen
Zins von 36 fl. 49 Kr an 3 Fischer verpachtet. An der Donau gab es eine
eigene Überfahrt mit 2 Plätten, die ein Förge versah.
Der Burgherr forderte Leistungen von seinen Grunduntertanen
Grund und Boden in Winzer und Umgebung gehörten
dem Ritter. Er war der Grundherr. Die Bauern, die das Land bewirtschafteten,
waren vom Burgherrn abhängig. Die beiden Hofbauern mussten 1/3
ihrer Erträge als Pachtzins abliefern und viele Scharwerksdienste
leisten. Die hörigen Bauern mussten dem Burgherrn den Zehent abliefern.
Man unterschied den großen Zehent von Getreide, den kleinen von
Kraut und Rüben und den Blutzehent vom Geflügel und Kleinvieh.
Die Burg Winzer hatte im Jahre 1600 315 Grunduntertanen, 171 Bauern
und 144 Söldner und Weinzierl. Die Grunduntertanen hatten jährlich
eine ständige Abgabe zu entrichten, die sog. Grundgült, im
Durchschnitt 1 - 5 fl., außerdem 20 - 60 Eier und 1 - 6 Hennen.
Bei Besitzänderung (Todesfall) mussten sie eine Art Grunderwerbssteuer
zahlen, die 10 % des Gutswertes betrug.
Drückender als die Abgaben waren die sog. Schwarwerksdienste.
Die Bauern waren verpflichtet, jährlich eine bestimmte Anzahl von
Tagen für den Burgherrn zu ackern, zu düngen, Holz und Zehent
zu fahren, Wege herzurichten und die Ernte einzubringen. Drei leibliche
Scharwerksdienste mussten Bauern und Söldner gemeinsam leisten:
Flachs spinnen, Holz hacken und bei den herrschaftlichen Treibjagden
Treiber stellen. Der Burgherr besaß über alle Grunduntertanen
die niedrige Gerichtsbarkeit. In den Waldungen besaß der Burgherr
den Wildbann.
Weiterführung
In unserer Gegend gab es einst an der Donau noch andere
Burgen: in Bogen, Natternberg, Veste Findelstein, in Eichberg, Burg
der Grafen von Hals bei Mühlham, Veste Flintsbach, Burg Hilgartsberg.
Heute noch zu besichtigen: Schloss Egg, Burghausen, Landshut (Burg Trausnitz).
Europäischer Bezug
1. Burgherren als Grundherren gab es auch in anderen
europäischen Ländern
2. Auch andere Ritter errichteten an der "Europawasserstraße"
Donau Burgen, um ihre
Macht und Sicherheit zu stärken.
3. Die ritterliche Lebensart war damals Vorbild
in ganz Europa
4. Die Minnesänger verbreiteten europäische
Kultur
5. Die deutschen Ritter übernahmen Wörter
von den französischen Rittern.
Literaturangabe
1. Das Heimatbüchlein von Winzer
2. Chronik der Gemeinde Winzer