7.01 Künzing, der älteste Ort im
Landkreis

In Künzing liegen die archäologischen Geheimnisse vor der
Haustüre.

Die ,,Akropolis Niederbayerns" in Unternberg/Künzing führt
uns in den Beginn des 5. Jahrtausends v. Christus, eine mittelneolithische
Kreisgrabenanlage.


Vom Hinterland war die Siedlung durch einen doppelten Graben und kreisförmige
Palisaden abgetrennt. Auf der vordersten Seite der Höhenzunge liegt
ein kreisrunder Kultplatz, der durch zwei parallel zueinander verlaufende
Gräben vorn übrigen Siedlungsgelände abgetrennt ist.
Unterbrochen werden sie von vier Toren, die einen Meter breit in einer
Abweichung von zehn bis 20 Grad zur jeweiligen Himmelsrichtung gebaut
würden. Der äußere Graben hat einen Durchmesser von
110 Meter, der im Innern 80 Meter. Durch eine Vielzahl von Funden kann
Jörg Petrasch ein Bild von der Lebensweise der Menschen in der
Jungsteinzeit rekonstruieren. So ließen sich intensive Handelsbeziehungen
nach Böhmen, Mähren, Niederösterreich und in die Südslowakei
nachweisen. Geld gab es zu dieser Zeit noch nicht., dafür aber
herrschte unter den benachbarten Siedlungen ein reger Tauschverkehr.
Zum täglichen Bedarf gehörten damals Beile, Äxte, Mahlsteine
und Keramikgefäße mit schönen Verzierungstechniken.
Zu den zwei bemalten Gefäßen, die er in Unternberg gefunden
hat, sagt der Grabungsleiter, "dass es davon in Deutschland nichts
Vergleichbares gibt...".
So zeigt sich Unternberg heute für das geübte Auge der Luftbildarchäologen.

Zu der breiten Fundpalette gehören auch Feuersteine, die aus dem
Flintsbacher und dem Abensberger Raum kommen. Sogenannte "Fundzettel"
konnten auch über aus Muscheln gefertigten Perlen geschrieben werden,
die aus Nordgriechenland stammen. An der Universität München,
Abteilung Geschichte der Tiermedizin, werden von Experten die Tierknochen
untersucht. Hierbei erhofft man sich Aufschlüsse darüber,
was die ersten Menschen von Unternberg gejagt und gegessen haben. Im
südlichen Bereich der Anlage, die 50 bis 100 Jahre bestanden haben
mag, stieß Jörg Petrasch am Bachufer auf eine Feuchtbodensiedlung
die auch in ihrer Art einmalig ist. Diese Stelle war für die damaligen
Bewohner besonders wichtig, weil sie sich von dort das Wasser holten.
Viele Scherben von Krügen weisen daraufhin. Die Steinzeitmenschen
erreichten diesen Platz nur über einen Umweg. Die kürzere
Verbindung blieb ihnen verschlossen, weil sich dazwischen ein Moor befand.
Literatuverzeichnis/Quellen
- Unsere Heimat - ein historisches Kleinod S. 14ff v. Werner Friedenberger
Herausgeber Gemeinde Künzing 1982
- Feuerstein: Rohstoff der Steinzeit
v. Michael M. Rind Heimatmuseum Osterhofen
Sonderausstellung 1989
- Archäologische Denkmäler im Landkreis Deggendorf v. Jörg
Petrasch, Heft 6
- Osterhofener Zeitung