2.06 Schloss Offenberg

Im Jahre 1697 unterzog Graf A. Sebastian Montfort das
Schloss einer gründlichen Umbauung und gab ihm ungefähr seine
heutige Gestalt. Es sei hier eine Baugeschichte des Schlosses angeführt.
Das Offenberger Schloss war ursprünglich ein Turmschloss.
Im ersten Stock wohnte der Hausherr, darüber der Wächter.
Im Erdgeschoss schmachteten die Gefangenen, die mangels eines Außeneingangs
von innen herabgelassen wurden. Das Turmschloss war im jetzigen Stiegenhaus,
also ganz an der Westkante des Bergkegels. Bei einem Umbau 1911 fand
man hier gotische Mauerreste. Später wurde der Platz vor dem Turm
im Rechteck mit einer Mauer umgeben und in den Ecken des Hofes vier
Türme errichtet, so dass die Form des Schlosses die eines römischen
Kastells war. Der Erbauer dieser Schlossform war Georg Sattelpogen 1438.
Im Osten waren dem Schloßeingang zwei Gräben
vorgelagert, die beide überbrückt waren; die äußere
hölzerne Brücke wurde in Notzeiten abgebrochen, die innere
war eine Zugbrücke. Die Zugbrücke wurde 1518 von den Grafen
von Tannberg erbaut.

Das Schloss fand sich nach allen Seiten in Sicherheit.
Im Süden, Westen und Norden fällt der Berg steil ab und im
Osten schützten die Gräben. Wurde man geschlagen, so stand
im Rücken der feste Turm, in den man sich zurückziehen konnte,
um weiter zu kämpfen. War dies aussichtslos, so stand zur Flucht
ein unterirdischer Gang aus dem Turm ins Freie bereit. Die großen
Weiher am Westfuß des Schlosshügels verstärkten den
Schutz des Schlosses.
Rechts vom Schloßeingang stand die Kapelle, sie
lag viel tiefer als die heutige, darum die Meinung, sie hätte eine
Unterkirche.
Graf Montfort unterzog nun diesen Schlossbau einem
gründlichen Umbau. Der Raum des Schlosshofes zwischen der äußeren
Schlossmauer und den im Schlosshof stehenden Türmen wurde verbaut
und überdacht. Die Ringmauer wurde nun äußere Mauer
des Schlossbaus. Das Schloss hatte nun die Form eines geschlossenen
Vierkanters und trug ein Obergeschoss. Im Südtrakt wurde die Wohnung
für die Schlossherrschaft eingebaut und mit Stuckwerken verziert.
Den Zimmern ist ein Gaden vorgelagert, im Erdgeschoss durch Säulen,
im Obergeschoss durch Lauben gegen den Hof hin abgeschlossen.
Das
zweite Stockwerk wurde nur zum Teil ausgebaut. Es erstreckte sich auch
über die Kapelle. Der Spanische Erbfolgekrieg machte den Bauarbeiten
ein Ende. Erst 1714 konnten sie von den Nachfolgern fortgesetzt werden.

Die bisher tief in der Erde liegende Kapelle wurde
abgerissen, mit Erde ausgefüllt und hochgehoben, so dass sie dem
Schloss gleichkam und durch die beiden Stockwerke des Nordflügels
durchführte. Um die gleiche Zeit entstand auch das Altarbild der
Kapelle. Es stellt den hl. Georg hoch zu Ross dar, der die Züge
eines Sohnes des Stifters trägt. St. Florian ist mit dem Gesicht
des Grafen von Montfort dargestellt.
Um die gleiche Zeit entstanden auch drei Statuen der
Immaculata, die des Hl. Josef und der Kreuzweg. Ferner steht in der
Kapelle eine künstlerisch ausgeführte Holzstatue des hl. Georg.
In der von den Montfort hergestellten Beschaffenheit verblieb das Schloss
im wesentlichen bis 1911. In diesem Jahr ließ Graf von Bray-Steinburg
das Schloss nochmals umbauen. Dem Südflügel wurde ein neuer
Stock aufgesetzt. Die Kapelle erhielt einen neuen Eingang auf der Nordseite.

Barbara, die Witwe des Grafen von Sattelpogen, stiftete
1464 ein Benefizium von 6000 fl. und setzte einen Benefiziaten ein.
Der Gottesdienst wurde nur von der Schlossherrschaft besucht. Die "Kommunität"
war ausgeschlossen. Mit der Zeit besuchten aber auch die Leute der benachbarten
Orte die Messe. Dagegen protestierten öfter die Pfarrer von Neuhausen;
sie erblickten darin eine Schmälerung der Rechte der Pfarrkirche.
Das Benefizium ist später erloschen. Im Jahre 1717 zählte
Offenberg 16 Feuerstellen (einen ganzen und einen halben Hof und 13
1716 Höfe; dazu kommt noch das Haus des Amtmanns). Außer
Tafern, Schmiede und Badstube gab es noch Söldner, Weinzierl, Weber,
Schneider und Schuster.
NB! Zum Begriff Ganz-Gut, Halb-Gut usw. Anfangs galt
der Grundsatz der freien Erbteilung; im Hochmittelalter setzte die Grundherrschaft
mit ihrer Erbrechtpolitik (Erb- und Leibgeding) dieser Hofteilung ein
Ende. Die frei-eigenen Höfe dagegen wurden bis zur Vernichtung
weiter geteilt. Der Achtelhof z.B. ist also nicht ein künstlich
eingeführtes Maß-System für Steuerzwecke, sondern wirklicher
Bruchteil einer Hube = Hof.
Am 06. Februar 1724 sterben mit Sebastian Montfort
die Montfort aus und die Grafen von Königsfeld werden Besitzer,
1724 bis 1801.
1802 erwirbt Johann von Pronath das Schloss; und es
bleibt in seinem Besitz bis 1839.
Nach einer Beschreibung der Hofmark Offenberg vom 01.
Januar 1797 zählte der Viehstand 65 Pferde, 26 Ochsen, 205 Kühe
und 202 Jungrinder.
Freiherr von Pronath stirbt 1839 und seine Tochter
Hyazintha, die den Grafen Philipp von Hundt geheiratet hatte, übernimmt
das Schloss in ihre Ehe. Die Grafen von Hundt führten die Bauten
auf der Schlossbrücke aus.
1875 verkauft Graf Hundt Schloss Offenberg an den Baron
von Eichthal.
Baron Eichthal verkauft das Schloss an den Grafen Arco
von Zinneberg.
1910 geht Offenberg in den Besitz der Grafen von Bray-Steinburg
über, die es noch heute besitzen.
Schlossherren von Offenberg
Offo, Begründer der klösterlichen Siedlung 9. Jahrhundert
Herren von Offenberg - 1320
Herrn von Eck 1320 - 1401
Herren von Nussberg 1401 - 1438
Grafen von Sattelpogen 1438 - 1474
Freiherren von Tannberg 1474 - 1640
Grafen von Spaur 1640 - 1656
Grafen von Sarntheim 1656 - 1687
Grafen von Montfort 1687 - 1724
Grafen von Königsfeld 1724 - 1801
Freiherr von Pronath 1801 - 1839
Grafen von Hundt 1839 - 1875
Baron von Eichthal 1875 -
Graf Arco von Zinneberg - 1910
Graf von Bray-Steinburg 1910 - jetzt