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Das Mündungsgebiet der Isar

10.09 Das Mündungsgebiet der Isar

Definition und geographische Abgrenzung

Das Mündungsgebiet der Isar ist eine Auenlandschaft und wird als Naturschutzgebiet unter dem amtlichen Bezeichnung "Isarmündung" geschützt. Es umfasst das Gebiet zu beiden Seiten der Isar von Plattling bis zur Donau und hat eine Größe von 808 ha.

Entstehung des Mündungsgebietes

Das Mündungsgebiet ist Schwemmland und wurde geschaffen und gestaltet von der Isar in der erdgeschichtlichen Epoche der Eiszeit und in dem darauffolgenden Zeitraum. Die Schmelzwasser der Isar, die in ihrem Ober- und Mittellauf den mitgeführten Schotter, Kies und Sand bereits abgelagert hatten, legten im Mündungsgebiet die feinen Schwebstoffe ab. Überschwemmungen und Flussbettverlagerungen schufen Senken (=Altwasser) und Erhöhungen (=Trockenstandorte, sog. "Brennen"). Regelmäßige Hochwasser im Frühjahr setzten weite Gebiete unter Wasser. So wurden jene Voraussetzungen geschaffen, dass sich "eine der bedeutendsten Auenlandschaften Mitteleuropas" entwickeln konnte.

Beschreibung der Auenlandschaft

1. Gliederung der Auenlandschaft

Die Auenlandschaft ist ein Auwaldgürtel und gliedert sich in Weichholzaue, Hartholzaue und in groß angelegte Pappelkulturen. Das gesamte Gebiet ist durchsetzt mit Altwassern, Streuwiesen und periodisch austrocknenden Tümpeln. Im Schnitt werden große Teile der Auenlandschaft ein- bis zweimal jährlich überflutet.

2. Die Flora der Auenlandschaft

a) Weichholzaue (stark beflutet):

Bruchweide, Grauweide, Korbweide, Purpurweide, Silberweide, Grauerle - Große Brennnessel, Klettenlabkraut, Taubnessel, Nesselseide, Wilder Hopfen, Waldrebe, Ufersaumastern u. a.

b) Hartholzaue (schwach beflutet):

Eiche, Hainbuche, Bergahorn, Feldahorn, Feldulme, Winterlinde, Esche - Gewöhnlicher Schneeball, Liguster, Kreuzdorn, Pfaffenhütchen.
Heckenkirsche, Schlehe, Seidelbast, Weißdorn, Blaustern, Gewöhnliches Hexenkraut, Hohe Schlüsselblume, Perlgras, Scharbockskraut, Waldzwecke, Waldsegge u.a.

c) Pappelkulturen:

Kultur-, Grau- und Silberpappeln

d) Altwasser:

Teichrosen, Schilf, Wasserlinsen, Schwimmlebermoos, Wasserfeder u. a.

e) Streuwiesen:

Pfeifengras, Kopfbinsen u.a.

3. Rote Liste bedrohter Pflanzen

Die Auenlandschaft ist "noch" Heimat von: Blauer Eisenhut, Blaustern, Breitblättrige Sumpfwurz, Duftendes Mariengras, Fleischrotes Knabenkraut, Frühlingsknotenblume, Hohes Veilchen, Langblättriger Ehrenpreis, Lungenenzian, Moorveilchen, Mehlprimel, Schwarze Akelei, Trollblume, Türkenbund, Weiße Seerose, Weiße Waldhyazinthe, Sumpfgladiole u.a.

4. Die Fauna der Auenlandschaft

Die Landschaft ist Brutgebiet von mindestens 30 bedrohter Vogelarten: Weißsternige Blaukehlchen, Rot- und Schwarzmilan, Rohrweihe, Schnatter-, Krick-, Knäk- und Löffelente, Zwergdommel, Wiesenpieper, Eisvogel, Schilfrohrsänger u. a.

Die Landschaft ist Rastgebiet durchziehender Vogelarten: Singvögel, Watvögel.

Die Landschaft ist Lebensraum für ca. 150 Nachtfalter- und Tagfalterarten. Hier leben noch der Große Moorbläuling und das Rotbraune Wiesenvögeichen. Auch der Biber hat wieder Fuß gefasst.

Verordnung über das Naturschutzgebiet "Isarmünd"

Von der ursprünglichen Gestalt der Auenlandschaft ist nur mehr ein bescheidener Teil erhalten. Flussbegradigung (1888 - 1898) und Eindeichung (1910 - 1914) nahmen der Isar ihren Wildflusscharakter und große Gebiete der ursprünglichen Stromlandschaft sind bereits der land-und forstwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.

Die Verordnung vom 01. März 1990 soll beitragen, die noch bestehende Auenlandschaft im jetzigen Zustand zu erhalten. Sie verbietet Eingriffe in Flora und Fauna im Sinne der Artenverminderung und Artenausrottung. Sie untersagt jedwede Art der Beeinträchtigung der standortgebundenen Pflanzen- und Tierwelt. Im Einzelnen beinhaltet die Verordnung detaillierte Vorschriften für die land- und forstwirtschaftliche Bodennutzung, für Jagd und Fischerei und für den Erholungssuchenden. Für letzteren gilt unter anderem: Öffentliche Wege nicht verlassen - nicht baden - nicht zelten - keine sportlichen Wettkämpfe durchführen - nicht lärmen - Bäume mit Horsten und Höhlen nicht besteigen - geschützte Pflanzen nicht entfernen - Brutstätten nicht aufsuchen.

Empfehlenswerte Zeit für einen Unterrichtsgang

Vor der Belaubung bildet vor allem die Krautschicht mit ihren vielen bunten Frühblühern einen ersten Höhepunkt des pflanzlichen Wachstums. Besonders gut zeigt sich das in der Hartholzaue. In dieser Zeit ist das Gebiet auch noch frei von Stechmücken.

Literatur:

  1. H. Bleibrunner, Beiträge zur Heimatkunde von Niederbayern
  2. Heimatbuch des Landkreises Deggendorf "Auf der Sonnenseite des Bay. Waldes"
  3. Zeitschrift "Natur und Landschaft", 66. Jg. H. 1 Januar 1991
  4. Amtsblatt der Regierung von Niederbayern, Nr. 4 vom 23.02.1990