10.07 Wirtschaftsmittelpunkt Plattling
Die natürlichen Lebensbedingungen der Marktgemeinde
Plattling, die 1888 zur Stadt erhoben wurde, können als sehr günstig
bezeichnet werden. Ein überaus fruchtbarer Lößboden,
der sich zu beiden Seiten der Isar ausbreitet, bildet Voraussetzung
und Grundlage für einen intensiven Getreideanbau. Gegen
Westen hin erstreckt sich der ungemein ertragreiche Gäuboden, die
,,Kornkammer Niederbayerns". Die Bearbeitung und der Ertrag von
Feldern und Wiesen spielte schon von jeher eine bedeutende Rolle im
wirtschaftlichen Leben Plattlings. So wird auch in der ältesten
Urkunde, die aus dem Jahre 868 stammt, Plattling die Bezeichnung ,,Villa",
also Landgut, gegeben. Ein weiterer Beweis für den agrarwirtschaftlichen
Charakter des Marktes Plattling ist darin zu sehen, dass in der Zeit
um das Jahr 1860 rund 30 größere Landwirtschaften betrieben
und in zwei großen Lagerhäusern das Getreide gespeichert
wurde. Außerdem zählte von den über 200 Hausbesitzern
der damaligen Zeit fast jeder ein paar Tagwerk Grund, eigene Stallung
und Stadel und einen größeren Garten um das Haus herum zu
seinem Besitz.
Neben der Landwirtschaft wirkte auch noch in gewissem
Maße das Gewerbe bestimmend auf die wirtschaftliche Struktur Plattlings
ein. So machte der Fischreichtum in der Isar selbst und in den zahlreichen
Altwässern die Fischerei zu dem von der Natur gegebenen
Gewerbe in Plattling. Sie war sehr erfolgreich und nahm unter den Handwerksberufen
bezüglich der Zahl der Ausübenden durchwegs immer die erste
Stelle ein. So gab es in dieser Zeit nicht weniger als zehn Fischer,
die abwechselnd mit Zug-, Vorstell- oder Floßnetz Hechten, Aitel,
Karpfen und Barben nachstellten. Auch das Müllerhandwerk,
das sich ebenfalls in Plattling niedergelassen hatte, soll nicht unerwähnt
bleiben. Als in den Jahren um 1836 eine Abzweigung von der Isar ausgehoben
wurde, die bis nach Enzkofen ging, konnten die Müller, die bis
dahin nur in Schiffsmühlen auf der Isar ihre Arbeit verrichtet
hatten, ihre Mühlen aufs ,,Land" verlegen. Die drei in Betrieb
stehenden Mühlen konnten nicht über mangelnde Arbeit klagen,
denn sämtliche Bauern aus Plattling und der näheren Umgebung
ließen ihr Getreide bei ihnen mahlen. Das Müllerhandwerk
stand in hohem Ansehen. Neben der Fischerei muss unbedingt die Bierbrauerei
in Plattling als das ertragreichste Gewerbe angesehen werden. Der Grund
hierfür mag sein, dass die Brauereien die besten Voraussetzungen
antrafen. Den zum Bierbrauen notwendigen Hopfen bezogen sie teils aus
den Gemeindeauen, wo er vom ,,Holzprobst" angepflanzt und gepflegt
wurde. Größere Bierbrauer besaßen einen eigenen Hopfengarten
im Südwesten oder Südosten des Marktes. So kann es nicht verwundern,
dass um die Mitte des 19. Jahrhunderts sechs Brauereien den Durst der
Plattlinger zu stillen versuchten. Zusammenfassend kann man feststellen,
dass Plattlings wirtschaftliche Verhältnisse neben dem Gewerbe
und dem allgemeinen Handwerk, das jedoch mehr oder minder eine untergeordnete
Rolle spielte, entscheidend von der Landwirtschaft geprägt worden
sind.
Die überaus günstige Verkehrslage Plattlings,
die auch später für den Ausbau des Eisenbahnknotenpunkts
ausschlaggebend war, wird durch die Lage an einem Flussübergang
und an einer Hauptstraße gekennzeichnet. Die Isar, auf der
jahrhundertelang Flößerei betrieben wurde, wickelt
vor dem Bau der Eisenbahnen einen beachtlichen Teil der Güterbeförderung
von und nach Plattling ab. So sind zum Beispiel in den Jahren zwischen
1860 und 1870 von Tölz, dem Ausgangspunkt des Floßverkehrs,
ungefähr 10000 Floße nach München abgegangen. Von dort
aus führen noch ca. 4000 Floßfahrzeuge weiter ins Unterland
der Isar. Beladen waren diese hauptsächlich mit Holz, aber auch
Kalk und Marmor wurden häufig befördert. Von Plattling aus,
das im Gegensatz zu München und Landshut keine vollausgebaute Anlege
hatte, nahmen die Floße vornehmlich Getreide und Vieh mit. Zur
Ausladung kamen hier hauptsächlich Brenn- und Bauholz, das überwiegend
aus Dingolfing bezogen wurde und von den ortsansässigen Bierbrauern
und Bäckern benötigt wurde. Von einer Personenbeförderung
auf der Isar kann nur insofern gesprochen werden, als wöchentlich
von München über Plattling nach Wien ein Floß mit einer
durchschnittlichen Fahrtdauer von sieben Tagen fuhr. Eine solche Fahrt
kostete damals drei Gulden.
Ein weiterer sehr bedeutsamer Verkehrsweg, der Plattling
mit seiner Umgebung verband, war die Hauptstraße. Sie führte
von Passau über Plattling nach Regensburg und erfüllte die
Marktgemeinde mit Leben. Viele Durchreisende hielten damals an, legten
eine kurze Rast ein und wenn sich die Gelegenheit anbot, besuchten sie
einen der vielen Märkte, die im Laufe eines Jahres in Plattling
abgehalten wurden. Infolge der günstigen Verkehrslage, der Markt
war damals verkehrstechnisch gesehen der Mittelpunkt Niederbayerns,
fanden in Plattling viele Versammlungen und Tagungen statt.
Eine weitere verkehrsmäßige Bereicherung
des Marktes Plattling war, dass auch der Postverkehr auf der Hauptstraße
abgewickelt wurde. Schon seit 1745 legte die Thurn- und Taxis-Reichspost
eine Haltestation in Plattling ein. Für die Post, die neben Waren
und Gepäck auch Reisende beförderte, wurde Plattling eine
zentral gelegene Hauptstation.